5. Sitzung des UA Modellbau

In der gestrigen Sitzung verfestigte sich der Eindruck, den wir bereits in den vorangegangenen Sitzungen gewonnen haben: Die sogenannte „Modellbautherapie“, die zunächst im BKH Ansbach durchgeführt und dann ins BKH Straubing verlegt wurde, war ein absoluter Sonderfall. Genau wie in den Forensiken Günzburg und Bayreuth, wäre es auch in den Forensiken Haar, Regensburg und Lohr undenkbar, dass eine Angestellte oder ein Angestellter des Klinikums an einer Arbeitstherapie verdient, deren Auftraggeberin oder Auftraggeber sie oder er ist. Diese Compliance-Regelungen bestehen bereits seit Jahren, sie sind keine Konsequenz aus der „Modellbauaffäre“.
Ein Verhältnis, wie das des Patienten St. zu Dr. Haderthauer, wie es während der Arbeitstherapie „Modellbau“ praktiziert wurde, wäre in anderen Forensiken nicht vorstellbar. Die Arbeitstherapie ist ein wichtiger Therapiebaustein, dass dabei auch Produkte gefertigt werden, ist zweitrangig. Somit gibt es keine Anhaltspunkte dafür, dass eine externe Auftraggeberin oder Auftraggeber Kontakt zu den Patientinnen und Patienten bräuchte.

Arbeitstherapie als Therapiemaßnahme
Besonders deutlich machten die Leiter der Forensiken, dass die Arbeitstherapie einen sehr hohen Stellenwert hat, aber der wirtschaftliche Gedanke untergeordnet ist. In den niedrigen Lockerungsstufen, also bei Patientinnen und Patienten, die hoch gesichert werden müssen, dient sie insbesondere zur Strukturierung des Tagesablaufes und zum Austesten der Belastungs- und Frustrationstoleranz. Patientinnen und Patienten mit mehr Freiheiten, deren Entlassung vorhersehbar ist, arbeiten teilweise auch in klinikeigenen Betrieben und werden nach Möglichkeit auf den (Wieder-)Einstieg in den 1. Arbeitsmarkt vorbereitet.
Bei der Auswahl der Arbeitstherapie wird versucht, auf die Neigungen der Patientinnen und Patienten einzugehen. Im Vordergrund steht aber nicht die konkrete Arbeit, sondern der Therapiefortschritt.

Schwierige Auftragslage
Firmen zu finden, die in den Forensiken im Rahmen einer Arbeitstherapie fertigen lassen, ist sehr schwierig. Die Auftragslage ist dünn. Der Gedanke, dass für jede einzelne Patientin und jeden einzelnen Patienten eine extra auf ihn zugeschnittene Arbeit gefunden wird, ist völlig abwegig. Die Kliniken sind froh, wenn sie Arbeitstherapien mit unterschiedlichem Anforderungsgrad anbieten können. Die Verhandlungsposition gegenüber den auftraggebenden Firmen ist schlecht. Man kann es sich schlichtweg nicht leisten, zu hohe Anforderungen zu stellen und ist dankbar für jeden Auftrag, der hereinkommt. Kostendeckung kann so in keinem Fall erzielt werden.

Ausblick
In der nächsten Sitzung am 16.04.2015 kommen die ärztlichen Leiter aus den Forensiken Mainkofen, Schloss Werneck und Erlangen. Am 23.04.2015 wird das bayerische Gesamtbild durch die Leiterinnen und Leiter der Forensiken Kaufbeuren, Straubing und Ansbach vervollständigt.

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3 Antworten zu 5. Sitzung des UA Modellbau

  1. Pingback: Haderthauer Untersuchungsausschuss Modellbau – Komplette Sitzungen im Überblick | Muschelschloss-Blog

  2. Karolin Königer schreibt:

    Fände es sachlicher, mehr im Berichtsstil zu informieren, d.h xyz wurde gehört, danach….

    Bei dieser Beschreibung wünschte sich man eher ein Wortprotokoll bzw. selbst zugehört haben zu können.

    Gefällt mir

  3. Pingback: Das niederbayerische „Vieraugenprinzip“ | Untersuchungsausschuss Modellbau

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