Die Geschäfte des „Herrn Doktor“ und der „Madame“

Die ehemalige Staatskanzleichefin Christine Haderthauer spielte in der Automodellbau Firma „SAPOR Modelltechnik GbR“ offenbar eine deutlich größere Rolle, als sie gerne zugeben würde. Dies berichteten in der letzten Sitzung die Zeugen Roger Ponton und Friedrich Sager übereinstimmend. Beide sind ehemalige Mitgesellschafter der Firma „SAPOR Modelltechnik GbR“. So war „Madame“, wie Roger Ponton sie stets nannte, zuständig für die bürokratischen Angelegenheiten der Firma, sogar für das Aufsetzen von Verträgen. So soll sie sich sehr gefreut haben, als es Friedrich Sager ganz zu Beginn des Modellbaus im BKH Ansbach gelang, bei einer etwas dubiosen Versteigerung Werkzeuge und bereits gefertigte Bauteile für eine Modellautoreihe, für sehr wenig Geld zu ersteigern. Dies ging natürlich zu Gunsten der gemeinsamen Firma. Sie soll vor Freude gar einen Luftsprung gemacht haben…
Besonders deutlich wurde ihre Identifikation mit der Firma, als der Werkzeugbauer Sager im Jahr 1992 aus der Firma gedrängt werden sollte. Sie schrieb ihm einen ausführlichen Brief, in dem sie ihm die Gründe für sein Ausscheiden darlegte und die Geschäftsführungsbefugnis entzog. Sie wolle das Fortkommen „unserer“ Firma durch seinen Verbleib nicht gefährden. Nach dem Ausscheiden Sagers, stellte Ponton ihr eine „Generalvollmacht“ aus, damit sie die Geschäfte der Firma allein führen konnte.
Der Modellbau war nie als soziales Engagement gedacht, wie Christine Haderthauer der Öffentlichkeit weismachen wollte. Es ging ausschließlich um finanzielle Interessen, wie beide Zeugen bestätigten. Das Geschäftsmodell war deshalb so attraktiv, weil die Herstellungskosten durch den Einsatz von Forensikinsassen, die anfangs 200 Mark monatlich für ihre Tätigkeit erhielten, so niedrig gehalten werden konnte. Der Wert der Modellautos hingegen war immens und Sammler bereit, hohe Preise dafür zu zahlen. Schon die ersten beiden Modellautos wurden für je 25 000 Mark verkauft. Die Produktionskosten (inkl. Material und Arbeitskraft) lagen angeblich bei 7000 DM. Beide Zeugen berichten, dass die Haderthauers Druck ausübten, damit die Modellautos so schnell wie möglich fertig gestellt wurden.

Die Anfänge der SAPOR Modelltechnik GbR
Auch die Umstände der Firmengründung konnten beleuchtet werden. Der Modellbau begann im Klinikum Ansbach bereits 1989 für eine Firma „Reim Modellbau“. Hr. Reim (ehemaliger Angestellter von Roger Ponton), lernte den Dreifachmörder St. im Gefängnis kennen und erfuhr von dessen Leidenschaft für Modellbau. Mit von der Partie war auch Friedrich Sager. Sie konnten den jungen Assistenzarzt Hubert Haderthauer wohl überzeugen, dass Automodellbau eine sinnvolle Therapieart für die Forensik wäre. Der Modellbau begann gerade erst, als Reim bereits Unmengen von Geld verpulverte, das noch gar nicht verdient war. Unter anderem für einen Ferrari Testarossa und eine Villa in Ansbach. Mit besagtem Ferrari machte auch Dr. Haderthauer gerne die eine oder andere Spritztour. Es kam wie es kommen musste: Die Firma ging pleite. Friedrich Sager wandte sich daraufhin an den vermögenden Roger Ponton, den er über Reim kennengelernt hatte und bat ihn um Unterstützung. Ponton, der schon immer eine Leidenschaft für Autos hatte, fuhr nach Ansbach, um sich das Ganze anzuschauen. Er beschloss in das Geschäft einzusteigen. Zunächst war geplant, dass Sager und Ponton die Firma „SAPOR Modelltechnik GbR“ gemeinsam gründen und auch der Modellbauer St. finanziell beteiligt werden sollte. Doch sie hatten ihre Rechnung ohne „Herrn Doktor“,  Hubert Haderthauer, gemacht. Als Sager und Ponton mit ihm, der als Vertreter des BKH Ansbach agierte, über die Fortführung der Arbeitstherapie „Modellbau“ verhandeln wollten, machte dieser ihnen klar, dass „ohne ihn nichts laufe“. Er wolle ebenfalls an dem Geschäft mit Modellautos beteiligt werden. Sein Auftritt war so überzeugend, dass Ponton ihn gar für den Chef der Klinik hielt. Wie Hubert Haderthauer selbst feststellen musste, war es nicht möglich, dass er auf beiden Seiten des Verhandlungstisches saß. Also einerseits den Vertrag über die Modellbautherapie für das BKH schließt und andererseits Teilhaber der davon profitierenden Firma ist. Kurzerhand machte er seine Frau Christine Haderthauer zur dritten Gesellschafterin. Dilemma gelöst.
Es bleibt unklar, ob der Modellbauer St. finanziell an der Firma beteiligt wurde, so wie es ursprünglich geplant war.
Hubert Haderthauer wurde durch eine Vollmacht aller Gesellschafter mit dem Vertrieb der Modellautos beauftragt. Ob er dafür Geld, beispielsweise im Sinne einer Provision, erhielt, muss noch geklärt werden.

Der Modellbau im BKH Ansbach
Ob die Arbeitstherapie „Modellbau“ tatsächlich eine Therapiemaßnahme im BKH Ansbach war, ist absolut zweifelhaft. So berichtete Sager, dass er den Modellbauer St. zu jeder Tages- und Nachtzeit in der Werkstatt auf einem eigens dafür vorgesehenen Telefon, anrufen konnte. Dieser hätte bis zu 12 Stunden am Tag an den Modellautos gebaut und am Wochenende an seinem Zeichentisch die Konstruktionspläne angefertigt. Angesichts der Komplexität des Automodellbaus, verwundert dies nicht. Jedes Teil des Autos muss von mehreren Seiten gezeichnet, spezielles Werkzeug hergestellt und jedes kleinste Detail einzeln angefertigt werden. Diese kunstvolle Arbeit ist äußerst zeitintensiv. Dennoch konnten im BKH Ansbach ca. drei Modellautos pro Monat gebaut werden. Dass da nicht viel Zeit für andere Therapiemaßnahmen war, kann man sich ausrechnen.
Für die viele Arbeit wurde der Modellbauer St. mit regelmäßigen Mittagessen außerhalb der Klinik belohnt. Stets mit dabei waren Ponton, Sager und Hubert Haderthauer. Gerne setzten sich Ponton und Haderthauer in ein Café, während Sager und St. im Drogeriemarkt einkaufen gingen. Beiden war die Gefährlichkeit von St., der bis heute wegen eines Dreifachmordes in der geschlossenen Forensik sitzt, nicht bewusst.
Das Highlight war schließlich ein Ausflug von St. nach Frankreich, in Begleitung eines Polizisten in zivil und seiner Frau, in die Jagdhütte von Ponton. Mit den heutigen Sicherheitsvorstellungen sind diese Vorgänge selbstverständlich unvereinbar.

Übereinstimmende Zeugenaussagen
Teilweise muten die Umstände rund um die Modellbaufirma „SAPOR Modelltechnik GbR“ absurd an. Nichtsdestotrotz widersprachen sich die Zeugen an wichtigen Punkten nicht. Es ergab sich ein klares Bild der Gründungsphase und der damaligen Umstände. Erinnerungslücken, auf die sich Herr Ponton teilweise berief, sind nachvollziehbar, schließlich ist er bereits 86 Jahre alt und die Vorgänge liegen teils 25 Jahre, zurück.
Beide Zeugen konnten über den Fortgang der Firma „SAPOR Modelltechnik GbR“ und die Arbeitstherapie Modellbau ab Mitte der 90er nichts mehr sagen. Sager schied schon 1992 aus und Ponton verlor ab 1995 den Kontakt zu den Haderthauers. Er erhielt lediglich Steuerbescheide vom Finanzamt Ingolstadt, die bei ihm den Eindruck erweckten, dass die Firma keine Gewinne erwirtschafte. Mit dieser Information gab er sich zufrieden. Wer die Geschäfte weiterführte, die Unterlagen beim Finanzamt einreichte und somit letztendlich vom Verkauf der Modellautos profitierte, wird in den nächsten Sitzungen zu klären sein.

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5 Antworten zu Die Geschäfte des „Herrn Doktor“ und der „Madame“

  1. Pingback: Haderthauer Untersuchungsausschuss – 1. bis 9. Sitzung (04.02.2015-11.06.2015) – Modellauto-Affäre | Muschelschloss-Blog

  2. Stimmt es dass die Grünen im Bayerischen Landtag die Herausgabe der Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft im Fall Haderthauer gemeinsam mit der CSU und der SPD blockieren?
    Wie hier in der Mitteilung der Freien Wähler dargelegt wird?
    http://fw-landtag.de/presse/pressemitteilungen-details/untersuchungsausschuss-modellbau-staatsanwaltschaft-soll-ermittlungsakten-vorlegen/

    Wenn hier Unterlagern im BKH Ansbach und im Sozialministerium (beides im Verantwortungsbereich der damaligen Sozialministerin Christine Haderthauer) verschwinden, dann gehört das gefälligst aufgeklärt!

    Insgesamt macht mir der Untersuchungsausschuss zunehmend einen eher einschläferndes Eindruck. Alles was bislang untersucht wurde ist bereis seit 2013 (!!) in der Presse rauf und runter berichtet worden.
    Einfach mal einlesen, das hilft. Artikel seit 05/2013 sind hier gesammelt!
    „Ein Schand- und Sittengemälde – Die #Haderthauer’s“ http://sco.lt/5TThpp
    Überrascht wirkende Interviews der UA-Mitglieder sind eher Ausdruck fehlender Information statt efolgter Aufklärung.

    Ach ja und noch was, der Untersuchungsausschuss hat zuletzt am 26.06.2015 getagt.
    Ein Bericht dazu fehlt leider hier bis dato im Blog. Schade eigentlich. Passt aber vielleicht in das sich abzeichnende Gesamtbild?

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    • uamodellbau schreibt:

      Vielen Dank für Ihren Kommentar. Die Behauptung der Freien Wähler, CSU, SPD und Grüne würden die Herausgabe der Ermittlungsakten blockieren, ist nicht richtig. Ein Teil der staatsanwaltschaftlichen Akten liegt bereits vor und wird von uns auch genutzt, soweit wertvolle Informationen enthalten sind. Der andere Teil ist auch bereits angefordert. Den Zeitpunkt sehen wir aber, im Gegensatz zu den Freien Wählern, kritisch. Wir wollen die Akten zum Abschluss des Ermittlungsverfahrens, um den Ermittlungserfolg nicht zu gefährden. Dieses Vorgehen macht deutlich mehr Sinn, als Akten anzufordern, die wir aus Geheimhaltungsgründen (laufendes Verfahren) dann nicht nutzen können. Wir setzen natürlich voraus, dass der Abschluss der Ermittlungen und damit die Vorlage der Akten zeitnah erfolgen.
      Um den Vorgang mit den verschwundenen Akten aufzuklären, wurden bereits einige Zeugen zu entsprechenden Fragen des Fragenkataloges geladen.
      Ein Untersuchungsausschuss wird eingesetzt, um Vorgänge aus der Vergangenheit umfassend aufzuklären. Der Untersuchungsausschuss muss sich hierzu ein eigenes Bild machen und kann sich nicht auf Presseberichterstattung stützen. Dazu ist es notwendig bei Adam und Eva zu beginnen, auch wenn einiges davon schon allgemeinhin bekannt sein mag.

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  3. Glauben Sie wirklich, dass die Ermittlung zeitnah erfolgt?
    Das Netzwerk der CSU-Regierung wird das zu verhindern wissen, bis ans Ende von Verjährungsfristen. Wer den bayerischen Polit-Betrieb kennt, sollte seine Lehren daraus ziehen, und sich nicht von der Regierung einlullen und als Steigbügelhalter missbrauchen lassen.

    Wenn Sie die Hauptaufgabe nur darin sehen, die Vergangenheit aufzuklären und für politische Scharmützel zu verwenden, dann sind die Gruenen mittlerweile kein Deut besser als die Altparteien.

    Im übrigen sollte das Ziel eines Untersuchungsausschusses nicht nur ein Abschlussdokument sein, auf dem man seine politischen Lorbeeren ablegen kann, sondern es sollten die rchtigen Konsequenzen abgeleitet werden und zu einer politischen Entscheidung gebracht werden, die dann die Regierung umsetzen muss.

    Das und nur das ist der politische Zweck des Parlaments und seiner Ausschüsse!

    Sollten die Gruenen das anders sehen, dann sollten sie sich aus dem Untersuchungsausschuss verabschieden. Dafür zahlt der Steuerzahler nicht das Geld an den Freistaat um ein so eine Beschäfigungs-Therapie für Abgeordnete zu zahlen.

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  4. Pingback: Untersuchungsausschuss Haderthauer – Warum wird blockiert, wo doch eigentlich aufgeklärt werden soll? | Muschelschloss-Blog

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