„Horch, lass dich nicht ausnutzen!“

12. Sitzung des UA „Modellbau“
Die erste Sitzung des UA „Modellbau“ nach der Sommerpause startete mit einem informatorischen, nicht öffentlichen Gespräch mit dem noch amtierenden Generalstaatsanwalt aus München, Dr. Peter Frank. Mit dabei hatte er den Leiter der Wirtschaftsabteilung der Staatsanwaltschaft München II. Beide sollten dem Untersuchungsausschuss Auskunft über den Stand der Ermittlungen wegen Betruges und Steuerhinterziehung gegen das Ehepaar Haderthauer geben. Die Ermittlungen stehen kurz vor ihrem Abschluss, spätestens Ende Oktober bzw. mit Beginn der bayerischen Herbstferien wird die Staatsanwaltschaft München II eine Abschlussverfügung vorlegen. Dann wird auch der Untersuchungsausschuss Einsicht in die wichtigen Ermittlungsakten bekommen. Über den Ausgang der Verfahren wollte und konnte Dr. Peter Frank selbstverständlich nichts sagen. Es bleibt also spannend.

„Der Jäger und der Gejagte“  – eine besondere Freundschaft
Als Zeuge wurde Werner Siedenburg vernommen, ein pensionierter Kriminalhauptkommissar aus Mittelfranken. Er war der Ermittler, der den psychisch kranken Roland St. schließlich der drei Morde an jungen Männern überführte. Siedenburg drängte den Täter nicht zum Geständnis und brachte ihn genauso zum Reden. Roland St. fasste Vertrauen zu Siedenburg und im Laufe der Zeit entwickelte sich eine Freundschaft zwischen den beiden. Als Roland St. im BKH Ansbach untergebracht war, führte Siedenburg ihn des Öfteren zu Ausgängen aus und lud ihn auch übers Wochenende zu sich und seiner Frau nach Hause ein. Im Freundeskreis der Siedenburgs ging Roland St. ein und aus. Alles in Absprache mit der zuständigen Staatsanwaltschaft Nürnberg und dem Klinikleiter Professor Athen. Auch wenn er bei den Ausgängen nicht im Dienst war, spielte sein beruflicher Hintergrund sicherlich eine Rolle bei der Bewertung, ob dadurch ein Risiko für die Allgemeinheit bestand oder nicht. Sicherheitsbedenken hatte Siedenburg aber keine, er war überzeugt den Forensikinsassen im Griff zu haben. Tatsächlich hat sich Roland St. auf seinen Ausgängen, bis auf den gelegentlichen Genuss von Alkohol, auch nichts zuschulden kommen lassen.
Manche Mitglieder des Untersuchungsausschusses können nicht nachvollziehen, wie man mit einem Menschen befreundet sein oder ihn gar in die eigene Familie integrieren kann, der so grausame Taten begangen hat. Siedenburg begründet es damit, dass er schon viele Mörder kennengelernt, aber nur einen, Roland St., der nicht um sich selbst, sondern um seine Opfer geweint habe. Roland St. habe seine Taten, die er bis heute nicht nachvollziehen kann, zutiefst bereut und habe die Unterbringung in der Forensik als gerechte Strafe angesehen. Nicht zu vergessen ist, dass Roland St. bezüglich seiner Taten kein Schuldvorwurf gemacht werden kann, da er psychisch schwer krank ist. Und letztendlich, so Siedenburg, bliebe nach seiner Weltanschauung, auch ein Mörder ein Mensch.

Geschäftsinteressen im Vordergrund
Zu der Modellbautherapie und den geschäftlichen Ausgestaltungen, konnte Siedenburg wenig sagen. Allerdings ergab sich für den Ex- Polizisten schon sehr früh der Verdacht, dass der Modellbauer Roland St. von Hubert Haderthauer ausgenutzt wurde. Er empfand es als ungerecht, dass zwar die gesamte Modellbautherapie von Roland St. und seinen Fähigkeiten abhing, er aber genauso viel Lohn bekam, wie alle anderen, die dort beschäftigt waren. Zudem hatte Siedenburg auch schon früh mitbekommen, wie wertvoll die Modellautos waren. Denn er begleitete Roland St. und Hubert Haderthauer auf Modellbaumessen, wo die Autos interessiertem Publikum präsentiert wurden. Die Modellautos der Firma SAPOR Modelltechnik GbR seien immer „noch ein bisschen schöner als alle anderen“ gewesen. Er bekam auch mehrmals Verkaufsanbahnungsgespräche mit einem Händler aus den USA mit.  Aus diesem Grund hatte er das Gefühl, dass Roland St. von Hubert Haderthauer über den Tisch gezogen wurde.
Für Roland St. sei der Modellbau sein Leben gewesen. Um diesen nicht aufs Spiel zu setzen, gab er sich mit allem zufrieden. Auch mit dem Termindruck, den Hubert Haderthauer ausübte.
Bisweilen hatte der Zeuge Erinnerungslücken und konnte sich nicht mehr genau erinnern. So gehen die Beschreibungen des berühmten Wochenendes im Elsass und des Abendessens mit den Haderthauers in Ingolstadt zum Teil auseinander. Klärung wird diesbezüglich nur die Anhörung weiterer Zeuginnen und Zeugen bringen.

Die Rolle der ehemaligen Ministerin
Christine Haderthauer begegnete Werner Siedenburg nur ein einziges Mal, bei dem Essen in Ingolstadt. Nach eigenen Angaben, wusste er nichts von der Rolle, die sie in der SAPOR Modelltechnik GbR spielte, da er sich für die geschäftlichen Angelegenheiten rund um den Modellbau nicht interessierte. Weshalb die Aussage der CSU- Fraktion, Christine Haderthauer wäre durch die Zeugenaussage von Werner Siedenburg entlastet worden, wohl etwas voreilig war. Christine Haderthauers Karriere verfolgte Siedenburg aber stets. So war ihm klar, dass sich Hubert Haderthauer nach der Ernennung seiner Frau zur Sozialministerin im Jahr 2008 fortan nicht mehr um die Geschäfte der Firma SAPOR Modelltechnik GbR kümmern konnte. Schließlich war Christine Haderthauer damit auch für die Forensiken zuständig. Zu Roland St. sagte er damals: „Dann bist du eben nicht mehr adäquat.“ Und so kam es dann auch. Die Firma wurde an Heinrich S. veräußert und Hubert Haderthauer brach den Kontakt zu Roland St. ab. Ohne geschäftlichen Hintergrund wollte man einem Forensikinsassen wohl kein „von Idealismus getragenes Engagement“ mehr entgegenbringen.

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