Der Co- Therapeut – 14. Sitzung des UA „Modellbau“

In der 14. Sitzung des Untersuchungsausschusses „Modellbau“  kam die Ansbacher Modellbautherapie nicht gut weg. Ein neuangestellter Arbeitstherapeut, Herr Hofmann, hielt den Patienten St. anfangs gar für einen Therapeuten. Dieser hatte nämlich einen Schlüssel zum Büro der Arbeitstherapeuten und sogar einen Schreibtisch darin. In diesem bewahrte er unter anderem den Arbeitslohn für seine Mitarbeiter in der Modellbautherapie auf, die er am Ende des Monats je nach erbrachter Leistung bezahlte. Übereinstimmend mit der ehemaligen Ansbacher Chefärztin Baur, berichtete Hofmann, dass die Mitarbeiter der Modellbautherapie mehr Geld bekamen, als diejenigen, die in der industriellen Arbeitstherapie beschäftigt waren. Woher St. das Geld hatte, dazu konnte Hofmann nichts sagen. Er machte aber sehr deutlich, dass die Modellbautherapie für ihn nicht den Stellenwert einer Therapie hatte. Es handelte sich vielmehr um eine kleine Firma, der St. sozusagen als Vorarbeiter vorstand. Er warb geeignete Patienten an und lehrte sie die nötigen Handgriffe. Um das Geschäftliche kümmerte sich, nach Aussage des Zeugen Hofmann, Hubert Haderthauer. Er kam des Öfteren nach Ansbach, außerhalb der regulären Besuchszeiten, wenn alle anderen Patienten bereits wieder auf Station waren. Dann holte er fertige Modellautos ab und besprach Wichtiges mit St.. Offenbar war es auch Haderthauer, der durchsetzte, dass Post, die für den Modellbau bestimmt war, nicht kontrolliert werden durfte. Das ist normalerweise selbstverständlich in einer forensischen Klinik, schließlich könnten sich in der Post auch Sachen befinden, die eine Flucht ermöglichen. Weshalb das Klinikpersonal im BKH Ansbach Anordnungen von Haderthauer erfüllte, bleibt weiterhin rätselhaft. Schließlich war Haderthauer bereits seit Anfang der 90er Jahre kein Angestellter des Klinikums mehr. Als Grund für die Bevorzugung des Patienten St. wurde von ärztlicher Seite stets nur gesagt, dass er bei Laune gehalten werden solle. Weshalb, wurde aber nicht erklärt. Man kann vermuten, dass es darum ging die Modellbautherapie am Laufen zu halten. Zwischen den Ansbacher Ärztinnen und Ärzten und Hubert Haderthauer scheint es jedenfalls ein enges Geflecht gegeben zu haben.

Streit mit dem Pflegepersonal
Überhaupt widersprachen einige Dinge grundsätzlich den Standards der forensischen Unterbringung. So waren die Werkzeuge in der Modellbautherapie weder katalogisiert, noch gab es spezielle Aufhängungen für diese, an denen man erkennen konnte, wenn eines fehlte. Es wäre also ein leichtes gewesen Werkzeuge verschwinden zu lassen und zum Ausbruch zu nutzen. Es gab wohl auch eine Anordnung, dass bei St. keine Schrankkontrollen durchgeführt werden durften. Lockerungskonferenzen an denen ein multiprofessionelles Team aus Ärzte- und Pflegeschaft, sowie Therapeutinnen und Therapeuten teilnahmen, wie es in anderen Kliniken schon damals üblich war, gab es in Ansbach bis ins Jahr 2000 auch nicht. Wer welche Lockerung oder sogar Ausgang in die Stadt bekam, entschieden nur die Ärztinnen und Ärzte. Die Mitarbeiter der Modellbautherapie wurden offenbar auch bei Ausgängen bevorzugt. So haben sie einmal jährlich eine Firma besichtigt, die Teile der Modellautos veredelte. All dies sind Vorgänge, die so in Bayern einzigartig gewesen sein dürften. Der ehemalige Pflegedirektor Gerhard Siegler besprach sich des Öfteren mit Verantwortlichen aus anderen bayerischen Bezirkskrankenhäusern. Über die Zustände in Haus 9 seien diese immer sehr erstaunt gewesen, sagte er aus.
In diesem Haus gab es massive Sicherheitsprobleme. Zum einen war es ein altes Gebäude mit alten Fenstern und Türen, die schwer zu sichern waren. Zum anderen gab es die Modellbautherapie, in der gefährliche Werkzeuge eingesetzt wurden. Dazu kam noch ein Patient mit Schlüsselgewalt und erheblichen Sonderrechten, der sich irgendwann gar nichts mehr sagen ließ. Die Pflegerinnen und Pfleger sahen darin eine deutliche Gefährdung der Sicherheit. Man sei im Nachhinein froh gewesen, dass nicht mehr passiert sei. Bei der Ärzteschaft stieß der Pflegedienst aber auf taube Ohren. Jeder Versuch die Situation zu verbessern, wurde zunichte gemacht. Der Pflegedienst wurde bei wichtigen Entscheidungen außen vor gelassen. Ende der 90er Jahre eskalierte der Streit und wurde auf die Bezirksebene und in die Presse getragen. Letztendlich wurde das gesamte Ansbacher BKH umstrukturiert und einzelne Kliniken gebildet, die jeweils ihre eigene Chefärztin oder Chefarzt hatten. Eine der ersten Amtshandlungen der neuen Chefärztin der Forensik, Dr. Baur, war die Modellbautherapie im Jahr 2000 von einen Tag auf den anderen zu schließen. Sie wollte diese Gefährdung der Sicherheit verständlicherweise nicht verantworten.

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