„Ansbacher Verhältnisse“ – 16. Sitzung des UA Modellbau

Noch im alten Jahrtausend schlug die Ansbacher Modellbautherapie im Bezirkstag Mittelfranken politische Wellen. Der UA „Modellbau“ hatte daher in dieser Woche Zeugen und Zeuginnen der damaligen kommunalpolitischen Bezirksebene geladen, um Details und Hintergründe zu beleuchten. Neben dem amtierenden mittelfränkischen Bezirkstagpräsidenten Bartsch, sagten auch der ehemalige Bezirkstagspräsident Lohwasser und die Dame aus, die damals alles ins Rollen brachte.

„Hätten Sie mal zwei Minuten Zeit für mich?“

Die ersten kritischen Nachfragen zur Modellbautherapie kamen seinerzeit von Elke Held, einer SPD Bezirksrätin im Bezirkstag Mittelfranken. Das BKH Ansbach war wegen zahlreicher Entweichungen in die Kritik geraten, der Konflikt zwischen Pflegepersonal und Ärzten schwelte kontinuierlich und auch die Arbeitstherapie Modellbau sowie die Vormachtstellung und Sonderrechte des Patienten St. trugen nicht dazu bei, die Situation zu befrieden. Eine interne Lösung war nicht in Sicht, sodass sich ein Vertreter der Pflege letztendlich hilfesuchend an die Politik, genauer an Elke Held, wandte. Das kurze Treffen auf einem Parkplatz von dem die Zeugin berichtet, sowie die anonyme Zuleitung von Dokumenten und Protokollen, die die haarsträubenden „Ansbacher Verhältnisse“ belegen, erinnern entfernt an einen Samstagabendkrimi.

Frau Held begann Fragen zu stellen und nach einiger Zeit interessierten sich auch die Kolleginnen und Kollegen der anderen Fraktionen für die abenteuerlichen Umstände in der Ansbacher Forensik – trotz heftigen Gegenwinds von ärztlicher Seite. Alle drei ZeugInnen betonten, dass Ihnen von Seiten des damaligen ärztlichen Direktors vorgeworfen wurde, sie wollten die einzigartige Modellbautherapie wohl zerstören und sollten gefälligst die Finger von Dingen lassen, von denen sie nichts verstünden. In mehreren nicht öffentlichen Bezirkstagssitzungen sagte neben den verantwortlichen Ärzten auch Dr. Haderthauer aus, den die Zeugin aus ihrer subjektiven Erinnerung als „Mann ohne Rückgrat“ beschrieb, da er versucht habe die Verantwortung für die Geschäfte der Firma SAPOR auf seine Ehefrau zu schieben. Bereits damals wurden auch also die Vertragsverhältnisse, sowie die Frage nach der Wirtschaftlichkeit der Modellbautherapie thematisiert.

Über allem schwebte jedoch der unlösbare Konflikt zwischen ärztlichem Direktor und Pflegepersonal, sodass den KommunalpolitikerInnen nichts anderes übrig blieb als externen Rat zu suchen. Es wurde eine bayernübergreifende Forensikkommission aus Experten eingeschaltet, um die Umstände im Ansbacher BKH zu durchleuchten. Diese kam zu dem Schluss, dass die Modellbautherapie an sich zwar kein Sicherheitsrisiko darstelle, die Machtposition des Patienten St. allerdings mehr als bedenklich und durch die internen Konflikte eine Fortführung des Status quo quasi unmöglich sei.

Wie gewonnen, so zeronnen?!

Als Konsequenz fasste der Bezirkstag am 28.10.1999 den Beschluss, dass ab 01.01.2000 eine eigenständige Klinik für Forensik in Ansbach eingerichtet und die Chefarztstelle öffentlich ausgeschrieben werden solle. Wie allgemein bekannt, trat Frau Dr. Baur ab April 2000 diese neue Stelle an und versuchte zunächst Ordnung in das Chaos zu bringen. Als sie erkannte, dass das in den alten Strukturen unmöglich war, schloss sie kurzerhand den Modellbau, was wiederum zur ominösen Verlegung nach Straubing führte, deren Umstände nach wie vor ungeklärt sind.

Frau Baur konnte auf die Unterstützung des damaligen Bezirkstagspräsidenten und der Vertreterinnen der Fraktionen zählen, man hatte viel unternommen, um die Situation politisch aufzuarbeiten. Für den Bezirkstag Mittelfranken war die Arbeit damit getan – für den Untersuchungsausschuss gilt das noch lange nicht. Der Modellbau wurde eingestellt, weil er in dieser Form nicht tragbar war, da half alles Feilschen und Bitten des Dr. Haderthauer um mehr Zeit nach der außerordentlichen Kündigung nichts. Doch was geschah dann? Nach der Kündigung im August 2000, und zufällig während der politischen Sommerpause, wurde die Modellbautherapie – und mit ihr der Patient St. – in die Hochsicherheitsforensik nach Straubing verlegt, obwohl eine bayernübergreifende Forensikkommission über die Umstände und Problematiken dieser vermeintlichen Therapie informiert war. Es bleibt also alles beim Alten…

Für uns gilt es nach wie vor, die Umstände der Verlegung aufzuklären. Wir folgen der Modellbautherapie nach Straubing und werden noch vor Weihnachten in Sondersitzungen Zeuginnen und Zeugen vom Bezirk Niederbayern und dem BKH Straubing hören.

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